DIE INITIATIVE NEW LIFE

HINTERGRÜNDE, INITIATOREN, FAKTEN

Während in den letzten Jahrzehnten in großen Teilen der Gesellschaft das Recyceln vieler Produkte hip geworden ist, gibt es beim Recyceln anderer Produkte noch deutlichen Nachholbedarf.
Trendiges Upcycling, aber auch Alltagsprodukte, wie Papier oder Flaschen – all diese Produkte werden mittlerweile selbstverständlich von vielen Entscheidern und Verbrauchern als recycelte Produkte bevorzugt.
Anders ist es beim Recycling von Reifen. Jedes Jahr fallen alleine in Deutschland rund 583.000 Tonnen Altreifen an. Stellt man sich diese Menge auf einmal vor, erscheint ein riesiger Berg vor dem inneren Auge.
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verlangt bei Reifen, wie auch bei anderen Produkten, die Einhaltung der Prioritäten:

1. Vermeidung

Die Vermeidung von Abfall bei Reifen wird anteilig durch die Industrie herbeigeführt, indem Reifen mit weniger Verschleiß entwickelt werden. Zudem kann die Reduktion des Autoverkehrs zur Vermeidung des Anfalls von Altreifen beitragen. Alle weiteren Maßnahmen darüber hinaus erzeugen ein Trade-off mit dem Anspruch an Verkehrssicherheit. Denn die Empfehlung des Deutschen
Verkehrssicherheitsrates e. V. ist es, die Reifen nicht bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern abzufahren, sondern Winterreifen bereits mit 4, Sommerreifen mit 3 Millimetern zu wechseln.

2. Wiederverwendung

Die Wiederverwendung von Reifen kann in Form von Runderneuerung erfolgen, die bei Pkw-Reifen in Deutschland de facto keine Relevanz mehr hat. Eine weitere Form der Wiederverwendung
ist der Export in Drittländer, der zumindest mit Blick auf die endgültige Verwertung kritisch gesehen werden muss.

3. Stoffliche Verwertung

Die Initiative NEW LIFE setzt sich für die stoffliche Verwertung von Altreifen ein. Ihre Partner recyceln End-of-Life-Tyres (ELT) zu Gummimehl und -granulat bzw. verarbeiten diese zu hochwertigen Recycling-Produkten aus ELT wie Böden, Dichtmasse oder Designobjekten. Märkte und Ziele der Kreislaufwirtschaft für Altgummi sind in Deutschland und in Europa durch Überregulierung und falsche Analysemethoden jedoch gefährdet. Gefährlich ist aber nur, wovon eine konkret nachweisbare tatsächliche Gefährdung ausgeht! Politisch wird von diesem Grundsatz jedoch bei Erzeugnissen aus Reifen-Rezyklat (Produkte aus granuliertem Reifengummi) abgewichen. Diese Erzeugnisse sind aufgrund ihres
besonderen Beitrags zur stofflichen Verwertung in der Kreislaufwirtschaft unverzichtbar. Falsche Analysemethoden in der Regulierung führen hier zu ungerechtfertigten Verboten. Um Gefahren für die Umwelt oder für die menschliche Gesundheit bestimmen und gesetzlich regulieren zu die Expositionspfade Hautkontakt und Emissionen in die Luft qualitativ und quantitativ mit
geeigneten Analysen abgebildet werden. Die Inhaltsstoffe eines Produktes sind nicht bestimmend, sondern deren Bioverfügbarkeit.

4. Thermische Verwertung

Eine weitere Verwertungsmöglichkeit ist die thermische Verwertung. Noch immer werden über 30 % der Altreifen pro Jahr in Deutschland der thermischen Verwertung, das heißt  der Nutzung als Ersatzbrennstoff, zugeführt. Durch den Wegfall der Heizwertklausel ist die thermische Verwertung akut gefährdet.

5. Deponierung

Altreifen unterliegen in Deutschland zu Recht einem vollständigen Deponieverbot. Umso mehr muss die Politik alternative Verwertungswege fördern. Die Partner der Initiative NEW LIFE haben es sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der stofflichen Verwertung von ELT zu maximieren. Dies ist gesamtgesellschaftlich die beste Form des Umgangs mit ELT. Gemeinsam verarbeiten die Partner der Initiative NEW LIFE mehr als die Hälfte der in Deutschland anfallenden Mengen an ELT und verfügen über eine beeindruckende Expertise im Umgang mit dem Werkstoff. Im Gegensatz zu anderen stofflichen Verwertungen wird die Verwertung von ELT auf Grund unterschiedlicher Inhaltsstoffe mit falschen Eigenschaften in Verbindung gebracht und daher zu selten genutzt. Vor dem Hintergrund der intensiven Aufklärung und Information von Institutionen, Organisationen, Behörden und Endverbrauchern haben sich die führenden
Unternehmen, die ELT verarbeiten, zur Initiative NEW LIFE zusammengeschlossen. Mit den Aktivitäten der Initiative sollen nicht nur wissenschaftliche Informationen gebündelt, sondern
weitere wissenschaftliche Untersuchungen gefördert werden, die Produktentwicklung aus ELT vorangetrieben und gleichzeitig Medien, Politik und Endverbraucher intensiv informiert
werden. Gegründet wurde die Initiative 2019 von insgesamt acht Unternehmen unter dem Dach des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie (wdk).
„Wir möchten mit der Initiative NEW LIFE einen Beitrag zur neutralen und objektiven Information in Bezug auf sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von ELT liefern“, erklärt Rainer Pöppel, Mitbegründer der Initiative NEW LIFE.

Abfallhierarchie der EU

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