Digitaler Produktpass: Chancen und Herausforderungen für die Reifen-Kreislaufwirtschaft

DPP

Wie kann der Digitale Produktpass (DPP) dazu beitragen, Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu stärken? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Konferenz „NRW kann DPP!“ am 16. Juni 2026 auf dem Campus Bottrop der Hochschule Ruhr West. Rund 150 Teilnehmende aus unterschiedlichen Branchen, Industrie, Mittelstand, Wissenschaft, Verbänden und Politik nutzten die Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungsansätze für die Umsetzung des DPP zu diskutieren. Die Allianz Zukunft Reifen, der auch NEW LIFE angehört, beteiligte sich als Kooperationspartner für den Stoffstrom Reifen.

Potenziale für Ressourceneffizienz, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit

In ihrem Grußwort machte Susanne Hagenkort-Rieger, Abteilungsleiterin Wirtschaftspolitik im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE), deutlich, welche strategische Bedeutung der Digitale Produktpass für den Wirtschaftsstandort hat. Kreislaufwirtschaft sei längst kein Nischenthema mehr, sondern ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Rohstoffsouveränität. Digitalisierung sei dabei der Schlüssel. Der DPP müsse als wirtschaftspolitisches Instrument verstanden werden, um Potenziale für Ressourceneffizienz, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit zu erschließen.

Einen Überblick über den aktuellen Stand der europäischen Gesetzgebung gab Franziska Zibold, Policy Officer der Europäischen Kommission (DG GROW), per Live-Video. Sie erläuterte die Rolle des DPP im Rahmen der europäischen Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsstrategie sowie die kommenden regulatorischen Anforderungen für Unternehmen.

Anschließend stellte Thomas L. Rödding, Co-Chair des europäischen Normungsgremiums CEN-CENELEC JTC 24 und des DIN/DKE-Gemeinschaftsgremiums Digitaler Produktpass, die technischen Grundlagen und Standards des zukünftigen DPP-Systems vor. Dabei wurde deutlich, dass standardisierte Datenstrukturen und interoperable Systeme entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung sein werden.

Chancen und Herausforderungen des DPP für die Reifen-Kreislaufwirtschaf

Für die Reifenbranche präsentierte Yorick Lowin, Geschäftsführer des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), die besonderen Chancen und Herausforderungen des Digitalen Produktpasses entlang der Reifen-Kreislaufwirtschaft. Reifen gelten aufgrund ihres hohen Rohstoff- und Energieeinsatzes, ihrer komplexen Materialzusammensetzung sowie der vielfältigen Verwertungswege als besonders geeignetes Anwendungsfeld für den DPP.

Lowin zeigte auf, dass der Digitale Produktpass künftig die Sortierung von gebrauchten Reifen optimieren, die Auswahl runderneuerungsfähiger Karkassen erleichtern und hochwertige mechanische Verwertungsprozesse unterstützen kann. Durch die digitale Verfügbarkeit relevanter Informationen wie Hersteller, Reifendimension, Profilvariante, Produktionsdatum oder Labelwerte könnten Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich effizienter gestaltet werden.

Gleichzeitig machte der Geschäftsführer des BRV auf wichtige offene Fragen aufmerksam. Dazu zählen unter anderem die zukünftige Datenhoheit, die Einbindung von Runderneuerern in bestehende DPP-Systeme sowie die Anforderungen an kleine und mittlere Unternehmen. Aus Sicht der Branche müssen die Systeme praxisgerecht gestaltet werden, damit auch KMU die Anforderungen wirtschaftlich umsetzen können. Zudem sollten Daten allen Marktteilnehmern auf neutralen Plattformen zugänglich sein und nicht ausschließlich bei einzelnen Herstellern verbleiben.

Für NEW LIFE bestätigt die Veranstaltung die große Bedeutung des Digitalen Produktpasses für die Zukunft der mechanischen Reifenverwertung Der DPP kann dazu beitragen, Reifen länger im Kreislauf zu halten, hochwertige Verwertungswege zu stärken und die Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern. Damit wird er zu einem wichtigen Baustein für mehr Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Circular Economy in Europa.

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