Wiederverwertung statt Verbrennung

Reifenrecycling – Ein entscheidender Beitrag für unsere Umwelt

„Was passiert eigentlich mit meinen alten abgefahrenen Reifen?“ – eine Frage, die sich tatsächlich die wenigsten Menschen bei der Anschaffung von neuen Pneus stellen. Zumal beim Reifenneukauf – beispielsweise bei A.T.U – auch eine Altreifenentsorgung oftmals gleich mit angeboten wird. Aber was genau kommt danach? Kommen die alten Gummis einfach auf die Müllkippe, landen auf Umwegen unkoordiniert in der Umwelt oder werden sie verbrannt? Tatsächlich wird rund die Hälfte der anfallenden Altreifen in Deutschland immer noch als Ersatzbrennstoff verwendet. Das A.T.U-Tochterunternehmen ESTATO Umweltservice GmbH geht einen anderen Weg – hier werden alle zu entsorgenden Altreifen der größten deutschen Werkstattkette sowie zusätzliches Entsorgungsvolumen externer Lieferpartner umweltschonend und fachgerecht stofflich wiederverwertet. Als einer der führenden Reifenrecycler Europas verarbeitet ESTATO pro Jahr rund 8 Millionen Altreifen. Das Recyclingunternehmen arbeitet dabei eng mit dem TÜV Süd zusammen, ist zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb und
wurde für den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen als Gründungsmitglied im Umweltpakt Bayern prämiert. Für die Verwertung von Altreifen besteht zudem ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem, welches schon seit Jahren erfolgreich in Verbindung mit einem Energiemanagement nach Normvorgaben an allen Standorten betrieben wird. Neben den Altreifen verwertet das Unternehmen zudem 95 Prozent aller Abfälle, die weiterhin in den Werkstätten der A.T.U-Gruppe anfallen. Dazu zählen neben Altbatterien und Verpackungen auch Metallschrotte oder Fahrzeugflüssigkeiten.
Der Weg eines alten Reifens lässt sich bei A.T.U exemplarisch aufzeigen: In jeder der fast 600 Filialen werden die abgefahrenen Reifen der Kunden zunächst vor Ort gesammelt. Durch die hauseigene Bring- und Hollogistik werden diese in einem festen Turnus mit den Rückfahrten nach der Warenbelieferung der Filialen zu den beiden zentralen ESTATO-Standorten in Weiden und Werl transportiert – so entstehen ganz nebenbei auch keine unnötigen Leerfahrten der Lkw.
Nach der Anlieferung bei der ESTATO werden zunächst der Zustand jedes einzelnen Pkw-Reifens und die Möglichkeiten der Wiederverwendung geprüft. Dabei handelt das Unternehmen strikt nach den Leitsätzen der Europäischen Union sowie den Vorgaben der Abfallhierarchie. Im Schichtbetrieb werden durch die Mitarbeiter täglich mehrere tausend Reifen auf Größe, Profiltiefe, Gesamtzustand, Beschädigungen, Traglast, Hersteller- und Geschwidigkeitsbeschränkungen gecheckt. Rund 30 Prozent der geprüften Reifen können derzeit auf weltweiten Zweitmärkten weiterhin genutzt werden. Abnehmer sind dabei Firmen und Großhändler, welche die Reifen entweder runderneuern oder als Gebrauchtreifen im Ausland vertreiben. Der dafür nicht mehr geeignete Rest wird direkt weiterverarbeitet und recycelt.

Wiedergewinnung von Rohstoffen

Wiederverwertung statt Verbrennung -EstatoNach der ersten Sichtung gelangen die nicht wiederverwendbaren Pneus über Förderbänder in einen mehrstufigen, rein mechanischen Aufbereitungsprozess. Mit diesem Verfahren ist es technisch möglich, Autoreifen in Ihre ursprünglichen Bestandteile zu zerlegen. Diese bestehen zu etwa 60 Prozent aus Gummi, der Rest sind Textilfasern und Metalldraht: “Wir produzieren aus den mehr als sieben Millionen Altreifen pro Jahr etwa 65.000 Tonnen hochwertige Sekundärrohstoffe Gummigranulat, Reifentextilien und Stahlreste”, erklärt Alexander Prokein, Geschäftsführer der ESTATO.
Dafür zerreißt ein Schredder zu Beginn des Recyclings die Reifen in handtellergroße Stücke. Die Messer einer weiteren Maschine, dem so genannten “Tyre Rasper”, zerkleinern das Material anschließend soweit, dass die kleinen Gummistücke vom Metall auf einem Rüttelband magnetisch getrennt werden können. Danach durchlaufen die Gummichips direkt weitere Schritte der Feingranulierung: mit speziellen Schneidmühlen sowie ausgereifter Reinigungs- und Siebtechnologie werden die Stücke so lange weiter bearbeitet, bis die einzelnen Komponenten vollständig voneinander getrennt sind. Die entstehenden Gummigranulate können auf Basis individueller Kundenanforderungen in verschiedenen Qualitäten und Korngrößen just-in-time bereitgestellt werden. Die im Prozess frei gesetzten textilen Fasern – immerhin rund ein Viertel eines Reifens – werden in den jeweiligen Zerkleinerungsstufen einfach abgesaugt. Das Textilcord kann durch seine Zusammensetzung sehr gut als Vormaterial in Zementwerken oder als Substitut natürlicher Rohstoffe zur Energieerzeugung eingesetzt werden.

Führend in der Reifendraht-Nachreinigung

Neben Gummi und Textilfasern, fällt noch ein dritter Stoff beim Reifenrecycling an: Stahl – sein Anteil im Reifen beträgt etwa 17 Prozent. Im Bereich der Reifendraht-Nachreinigung gilt die ESTATO als deutscher Pionier und größter Recycler von aus Altreifen gewonnenem Draht. Die erste Reifendraht-Reinigungs-Anlage wurde bereits im Jahr 2006 installiert, der Prozess kontinuierlich verbessert. Dadurch können die Stahlreste weiter veredelt werden. Die hochmodernen Geräte reduzieren dabei den Verunreinigungsgrad des Reifendrahts auf unter drei Prozent. Die am Ende des neuen Nachreinigungsverfahrens vorliegenden, knapp einen Zentimeter langen, sauberen Metallfäden haben eine Qualität, die von der Stahlindustrie auf der zweitbesten Stufe auf einer Skala von eins bis acht eingeordnet wird. In naher Zukunft strebt ESTATO sogar den besten Produktstatus „Reineisen“ an.

Gummigranulat zu neuen Alltags-Produkten

Im Gegensatz zum Reifendraht erfordert das beim Recycling gewonnene Gummi keine zusätzliche und aufwändige Nachbearbeitung. Die Gummigranulate und Gummimehle der ESTATO wurden Anfang des Jahres 2020 durch die Initiative NEW LIFE sogar als „Top-Recycling-Produkt“ ausgezeichnet. “Eine wichtige Auszeichnung, die einmal mehWiederverwertung statt Verbrennung -RWiederverwertung statt Verbrennung -Reycling Granulateycling Granulatr den hohen Recycling-Anteil von über 80 Prozent unserer Produkte und damit ihre Nachhaltigkeit unterstreicht”, freut sich Alexander Prokein.
Der Anwendungsbereich und die Einsatzmöglichkeiten der Recycling-Produkte sind sehr vielseitig. Weiterverarbeitende Unternehmen der Gummiindustrie, viele davon Mitbegründer der Initiative NEW LIFE, produzieren aus dem Granulat mit einer Korngröße zwischen einem und vier Millimetern zum Beispiel Fallschutzplatten für Kinderspielplätze oder Bodenbeläge. Das Material landet zudem in Bitumendachabdeckungen, lärmschluckenden Unterlagen für Bahnübergänge und Schienenbetten, in Laufbahnen im Sportstättenbau oder in Schutzmatten für die Tierhaltung.
“Leider wird knapp die Hälfte aller Altreifen in Deutschland nach wie vor verbrannt, um daraus Energie zu erzeugen – vor allem in Zementwerken. Damit werden aber wichtige Rohstoffe verschwendet“, sagt Estato-Geschäftsführer Prokein, “und umso wichtiger ist unser nachhaltiges, ressourcenschonendes Modell des Reifenrecylings. So leisten wir einen entscheiden Beitrag für unsere Umwelt.”

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